Headerimage

Stadtpfarrei

Mariä Himmelfahrt

Tirschenreuth

Wallfahrten

Sonntag, 13.01.2019

"Die Erfahrung zeigt es tausendfach, wer sich von der Kirche trennt, für den verliert auch dessen privater Glaube immer mehr an Kraft. Für viele kommt dann eine innere Ödnis auf, eine Leere."


H.H. Prälat Alois Möstl aus Regensburg

 

Maria gibt uns Orientierung

Die Wallfahrtspredigt am 13. Januar diesen Jahres stand ganz im Zeichen der "Orientierung". Dazu war H. H. Prälat Alois Möstl in die Kreisstadt gekommen. Das geistliche Oberhaupt der Pfarrei St. Wolfgang in Regensburg eröffnete die Predigt der 381. Wallfahrt für die Kirche mit der Frage nach der Bedeutung des Namens "Maria". Es gäbe ungefähr 60 Deutungen, so der Prälat. Namensforscher seien mittlerweile der Meinung, dass der Name Maria am wahrscheinlichsten vom "Stella Maris" - dem Stern des Meeres - abgeleitet würde. Der Meerstern sei bis ins hohe Mittelalter der wichtigste aller Sterne gewesen. Für Seefahrer und Wanderer war dieser über Jahrtausende hinweg die einzig zuverlässige Orientierung und demnach unerlässlich. Genau diese Bedeutung, diese Wichtigkeit, sei der Person Maria zuteil geworden.
Mit der Frage "Woher nehmen wir unsere Orientierung", wandte sich der Prediger erneut an die Gläubigen. Er habe das Gefühl, dass viele Menschen heutzutage diese Orientierung verloren hätten.
Selbst innerhalb der Kirche läge vieles im Argen. Immer mehr dringe auch das Böse in die Kirche ein. Das Vertrauen vieler Menschen in die Kirche habe stark abgenommen. Hierzu zitierte der Anführer der Wallfahrt eine aktuelle Studie des Gallup Institutes, wobei die Kirche bei einer Umfrage zum Thema "Vertrauen" von siebzehn großen Einrichtungen den letzten Platz einnehme. "Wir müssen die Augen offenhalten und dürfen uns nichts vormachen", so Möstl. Die Gewerkschaften, ja selbst die Medien würden ein größeres Vertrauen bei der deutschen Bevölkerung genießen als die Kirche. Die Menschen würden vielfach die Kirche nicht mehr als Orientierungshilfe auf der Suche nach Gott und dem Glauben betrachten. Der Priester äußerte in diesem Zusammenhang die Bitte, dass die Menschen sich in dieser gefährlichen Zeit an Maria halten sollen. Auch sie habe damals vieles nicht verstanden, trotz allem habe sie auf Gott vertraut, ohne zu wissen, was auf sie zukommen würde. Sie, die Mutter der Kirche, gäbe uns Orientierung. Gleichzeitig sei er jenen dankbar, die der Kirche, Jesus und der Gottesmutter trotz allem die Treue gehalten haben. "Die Erfahrung zeigt es tausendfach, wer sich von der Kirche trennt, für den verliert auch dessen privater Glaube immer mehr an Kraft. Für viele kommt dann eine innere Ödnis auf, eine Leere."
Weit über tausend Religionsstunden würden Schüler während ihrer Schulzeit absitzen. "Doch was bleibt dann davon übrig", resümierte Möstl. "Heute sind die Kirchenbänke leer. Wie soll Gott Priester berufen können, wenn die Gemeinschaft immer kleiner wird, aus der sie erwächst?" Ein Schmunzeln ging durch die Reihen, als der Prediger den Satz "Es gab in Deutschland noch nie so viele Priester wie heute" mit den Worten "pro Gottesdienstbesucher" vervollständigte.
"Fragen wir uns einmal, welche Reserven unsere Gesellschaft für morgen hat. Reserven, von denen eine Gesellschaft lebt, ohne die sie zerfällt. Das sind die Güter des Glaubens, der Ehre und der Moral." All das breche weg, so der Priester. Hinsichtlich der moralischen Problematik führte er die "Ehe für Alle" an. "Dabei wurde die Ehe zwischen Mann und Frau, eine Jahrtausende alte, gute Moralvorstellung, von heute auf morgen über Bord geworfen." Auch in Beziehung zu der anstehenden Europawahl äußerte Möstl seine Bedenken, ob Europa das christliche Abendland bleibe, oder seine christliche Wurzeln verleugnen werde. Erst vor wenigen Wochen habe selbst ein hoher kirchlicher Würdenträger davon abgeraten, den Begriff "christliches Abendland" zu verwenden, da dieser vor allem ausgrenzend sei, so dessen Äußerungen. In diesem Zusammenhang gab Möstl einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Europafahne, welche ein zutiefst marianisches Symbol sei. Die zwölf goldenen Sterne auf der blauen Flagge verdanken wir einem belgischen Juden namens Paul Lévy. Er wurde im 2. Weltkrieg während der Besatzung Belgiens von den Nazis deportiert. Dabei legte er das Gelübde ab, Katholik zu werden, wenn er überleben würde. Er überlebte und ließ sich taufen. Lévy wurde später zum Leiter der Kulturabteilung des Europarates in Straßburg bestellt. Eines Tages habe bei einem seiner täglichen Kirchenbesuche ein Kranz von zwölf Sternen auf einer Marienfigur in ganz auffallender Weise geglänzt. Davon inspiriert brachte er den Vorschlag von zwölf goldenen Sternen Mariens auf blauem Hintergrund in den Europarat ein, welcher schlussendlich angenommen wurde.
Mit der Zuversicht, dass Maria in der Vergangenheit unseren Kontinent immer wieder vor äußeren und inneren Gefahren bewahrte  und bewahren werde, beschloss der Pfarrer die Predigt.

Die Solisten Christine Kohl und Ottmar Andritzky gaben beim Festgottesdienst gesanglich "den Ton an" und wurden dabei vom Organisten Wilhelm Heidtmann begleitet.