Headerimage

Stadtpfarrei

Mariä Himmelfahrt

Tirschenreuth

Wallfahrten

Donnerstag, 13.02.2020


Zur 394. Wallfahrt für die Kirche kam Prälat Alois Möstl aus Regensburg nach Tirschenreuth. In seiner Predigt sprach er offen und persönlich, wie kaum jemand vor ihm, über die Probleme der Kirche unserer Zeit. Die Zuhörer quittierten die mutigen Worte und das Bekenntnis zur "schönsten Botschaft der Welt" mit regem Beifall. Dabei begann Möstl mit dem Thema "Missbrauch in der Kirche", welches viel Schande und einen großen Vertrauensverlust über die Kirche gebracht habe. Zur Aufarbeitung dieser Missbrauchsfälle sei "der synodale Weg", ein Reformdialog innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, ins Leben gerufen worden. "Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken wollte eine große Kirchenreform und die meisten Bischöfe erhofften sich endlich frische Luft im alten Kirchenmoder". Doch bereits am ersten Abend habe es eine äußerst bedenkliche Resolution gegeben, so Möstl. Hierbei wurde ermöglicht, Vorschläge mit einer Zweidrittelmehrheit fassen zu können, auch wenn diese der katholischen Lehre widersprächen. Wenn uralte kirchliche Positionen plötzlich nicht mehr gelten sollen, sei der Klimawandel längst auch in der Kirche festzustellen. Unter Bezug darauf stellte der Prediger die Frage, ob die Teilnehmer am synodalen Weg denn Fasching und wir jetzt eine Vierfaltigkeit hätten. Als "Narrenfreiheit" bezeichnete der Priester dieses Prozedere. Da könne einem Angst und Bange werden, folgerte Möstl. Des Weiteren betrachtete der Kleriker die vier Themen des "synodalen Wegs": 1. Macht in der Kirche abbauen; 2. eine neue Sexualmoral entwickeln; 3. Überdenken und Abschaffung des Zölibats; 4. Frauen in die Ämter der Kirche. "Beim genauen Hinsehen entpuppt sich dieser Wunschkatalog als altbekannt, da dieselben Themen schon vor über 20 Jahren beim Kirchenvolksbegehren durchgesetzt werden sollten", so Möstl. Weiter gab er zu bedenken, ob diese vier Themen allein die Probleme seien, welche die Menschen heute beschäftigen. Vielmehr würden die Menschen der Dauerstress im Beruf, die Bewahrung der Schöpfung, eine seelische Ausgelaugtheit, die Sinnfrage oder eine Leere im Herzen bedrücken. Dem Thema "Frauen in die Ämter der Kirche" habe sich inzwischen mit großem Fleiß die Aktion Maria 2.0 angenommen. "Unter Maria 1.0 verehren wir Katholiken die makellose Dienerin Maria, die Frau von Nazareth, die bis unter das Kreuz bei ihrem Sohn ausharrte. Maria 2.0 ist eine ganz andere, neue Maria. Nicht mehr die Magd des Herrn, sondern eine emanzipierte Powerfrau. Alte Zöpfe sollen also abgeschnitten werden und eine neue Maria muss der Kirche sagen, wo es langgeht." Dabei unterstrich der Prediger in diesem Zusammenhang den unschätzbaren Wert der Frauen für die Kirche, ob ihrer vielfältigen Leistungen und Aufgaben welche sie darin ausüben. Sie seien in jeder Hinsicht die Fleißigsten in den Pfarreien. Schlussendlich seien es auch die Mütter, welche zu Hause den Glauben an die Kinder weitergeben würden. Der Gottesmann kam zu dem Schluss, dass nicht die Frauen das Problem in der Kirche seien, sondern die Männer. Die Herren der Schöpfung würden sich aus zahlreichen kirchlichen Ämtern und aus der Verantwortung für die Weitergabe des christlichen Glaubens zurückziehen. "Viele meinen in Anbetracht der zurückgehenden Priesterberufungen sei die Abschaffung des Zölibats ein Allheilmittel. Doch schauen sie auf die evangelische Kirche, in welcher Frauen Gemeinde leiten und die Pastoren heiraten können. Geht es dort um ein Jota besser? Ist dort etwas blühend?" Der Grund für den mangelnden Priesternachwuchs läge nicht im Zölibat, sondern vielmehr im Glaubensschwund. Hier wäre der richtige Ansatzpunkt für den synodalen Weg gefunden. Der Pfarrer unterstrich diese Behauptung mit dem Ergebnis der vor etwa zwei Monaten veröffentlichten "Shell-Studie". Dabei handle es sich um eine aufwendige, neutrale, deutschlandweite Untersuchung der Jugend. Alarmierend sei hierbei die Tatsache, dass sich der Gottesbezug bei den jungen Menschen allmählich dem Wert Null nähere. Und das nicht ohne Grund. Der Kirche in Deutschland fehle es an etwas, resümierte Möstl. "Es fehlt dabei nicht an prächtigen Kirchen, auch nicht an großen Pfarrheimen oder an Kindergärten. Erst recht fehlt es nicht am Geld. Es fehlt an innerer Kraft, da sie ständig nur um sich selbst kreist. Doch lassen wir uns nicht verunsichern. Bewahren wir unseren katholischen Glauben. Geben wir in der Öffentlichkeit trotz immer leerer werdender Kirchenbänke Zeugnis von unserer Liebe zur katholischen Kirche." "Zeigen wir, dass wir glühende Verehrer von Maria 1.0 sind. Hoffen wir, denn Jesus hat sich, indem er immer wieder von der überreichen Ernte spricht, für diese Hoffnung verbürgt." Der Wallfahrtsanführer beendete die Predigt mit der Aussage, als Christen die "schönste Botschaft der Welt" zu besitzen. Musikalisch umrahmt wurde die heilige Messe vom Kirchenchor der Pfarrei Tirschenreuth unter der Leitung von Kornelia Cichon. Untermalt wurde der Gesang und das Orgelspiel durch Trompetenklänge von Josef Schneider.