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Stadtpfarrei

Mariä Himmelfahrt

Tirschenreuth

Wallfahrten

Dienstag, 13.11.2018

"Selbst kleinste Dinge können vor Gott mehr wert sein als harte Übungen der Abtötung und Selbstkasteiung. Die Liebe ist wichtiger als das Opfer. Die gute Absicht ist das Entscheidende."


Die Zelebranten der 379. Wallfahrt in Tirschenreuth v.l.: Stadtpfarrer Georg Flierl, Kaplan Paul Gebendorfer, Probst Maximilian Korn, Pater Klaus Kniffki

 

Zur 379. Wallfahrt für die Kirche begrüßte Stadtpfarrer Georg Flierl den Probst der Gemeinschaft der Augustiner Chorherren von Windesheim in Paring, H.H. Maximilian Korn.
Musikalisch umrahmt wurde der Festgottesdienst von Wilhelm Heidtmann an der Orgel und den Solisten Christine Kohl und Ottmar Antritzy.

"Bei der Vorbereitung der Predigt habe ich mich gefragt, was wohl der entscheidende Punkt der Botschaft von Fatima sei. Mir war sofort klar: es ist die Sühne".
Doch braucht Gott unsere Sühne? Was ist eigentlich Sühne? Was bewirkt unsere Sühne? Was ist die rechte Haltung der Sühne? Diesen Fragen ging der Geistliche in seiner Wallfahrtspredigt nach.

Das persönliche Kreuz bekomme Anteil am Sinn des erlösenden Leidens Christi, wenn ein gläubiger Mensch sein Leiden als ein Leiden mit Christus annehme. Da Christus, das Haupt des Leibes durch das Leiden vollendet wurde, so muss auch der Leib, also die Kirche, durch das Leiden vollendet werden. Dabei sei das Entscheidende an der Haltung der Sühne, die Gesinnung der Liebe Christi anzunehmen.
Die Sühneliebe, also das stellvertretende Leiden für andere aus reiner Liebe, sei die höchste Form, in Christus zu sein.
Sühne und Opfer sind immer von einem inneren Willenskampf begleitet. Dieser innere Kampf zeigt sich uns insbesondere in der Ölbergstunde, als Jesus seinen menschlichen Willen gleichsam blutschwitzend dem göttlichen Willen anglich.

"Schließlich dürfen wir auch sagen, dass die Sühne für jene etwas bewirkt, denen man sie zuwendet. Der Lohn der Sühne ist die Rettung des Sünders. Aber mehr noch: Der Sühnende tritt ja an die Stelle derer, die fern sind von Gott. Indem er in der Gesinnung der Liebe Christi an die Stelle des Sünders tritt, bringt er diesen schon geheimnisvoll in die Nähe Gottes. Sein stellvertretendes Gebet, Opfer und Leiden erwirkt die Rettung derer, die fern sind von Gott", so der Prediger. Nochmals betonte der geistliche Hirte: Ausschlaggebend für die Wirkung der Sühne sei die Gesinnung der Liebe. In diesem Zusammenhang zitierte er die Worte des hl. Thomas von Aquin, der da sagt: "Die freie und rechte Gesinnung der Liebe ist von größerer Bedeutung als das Opfer selbst." Die gute Absicht sei also das Entscheidende. Selbst kleinste Dinge können dann vor Gott mehr wert sein, als harte Übungen der Abtötung und Selbstkasteiung.
Abschließend gab der Klostervorsteher noch einige Hinweise, um in einer gesunden Weise die Haltung der Sühne leben zu können:

1. Wir Christen sollen die Leidenssühne nicht suchen, sollen jedoch bereit sein, sie anzunehmen, wenn Gott es will. Hier soll unsere Haltung ganz von der "Vater Unser - Bitte" geprägt sein: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe."

2. Abtötung und kleine Opfer wie z.B. Verzicht auf Annehmlichkeiten, aufs Fernsehen, auf Internet, Fasten usw. sind durchaus eine gute Einübung in die Haltung der Sühne.

3. Wir sollen als wirksame Sühne die Gebrechen des Leibes und der Seele annehmen und aufopfern, um sie so zu einem Werkzeug der Gnade zu machen. So würden unsere Gebrechen an Leib und Seele zur Quelle der Heilung für andere. Die Kirche lebe daher nicht nur aus den Taten der Gesunden und Vitalen, sondern noch viel mehr aus dem hingeschenkten Leiden und Verzagen der Kranken und Sterbenden.
Der leidende Christ habe daher nicht nur eine eigene Würde und einen unverzichtbaren Wert, er könne selbst in der größten Passivität durch seine Sühnegesinnung noch Großes für die Kirche und die Welt tun.

4. Wir dürfen die Wirkungen unserer Sühne nicht berechnen.
"Gerade in diesem Punkt sehe ich eine große Gefahr für die Frommen", so der Priester.
Bei der christlichen Sühne gehe es in keiner Weise um einen Gnadenhandel mit Gott. Die Gnade welche Gott schenkt, lasse sich weder berechnen noch einfordern. "Natürlich wissen wir um die geheimnisvolle Fruchtbarkeit der Sühne. Wir dürfen uns sicher sein, dass durch unsere Sühne der Welt sehr große Gnaden geschenkt werden. Doch niemals darf ein Christ Leiden, Gebetsübungen, Werke der Nächstenliebe, Fasten usw. aus einer Haltung auf sich nehmen, als wollte er dadurch von Gott eine sichtbare Gegenleistung erzwingen."

"Letztendlich geht es bei der Sühne um die große Hoffnung auf Auferstehung, es geht um die unverlierbare, ewige Gemeinschaft mit Gott, um das ewige Leben- und zwar für mich, wie für die anderen, für die ich eintrete."
Der Probst beendete seine Predigt mit der Bitte an "unsere liebe Frau von Fatima", dass sie uns helfen möge, in die rechte Haltung der liebenden Sühne hineinzuwachsen.