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Wer zuviel spannt, dem reißt der Bogen


Zunächst lebte Antonius, dessen Gedenktag am 17. Januar gefeiert wird, als Einsiedler ein asketisches Dasein. Im Laufe der Zeit sammelten sich um ihn andere Eremiten, und so wurde er zum geistlichen Mittelpunkt eiern Einsiedlergemeinde. Er gilt als „Vater des Mönchtums“.  Durch die Athanasius von Alexandrien zugeschriebene  "Vita Antonii" wurde Antonius berühmt. Ihm selbst werden 37 Vätersprüche, außerdem einige Briefe in georgischer und arabischer Sprache zugeschrieben.

Antonius erkannte bald, dass es neben der Anspannung in Gebet und Arbeit auch der Entspannung bedarf:

Da war einer, der in der Wüste nach wilden Tieren Jagd machte. Er sah, wie der Altvater Antonius mit dem Brüdern Kurzweil trieb, und er nahm Ärgernis daran. Da nun der Greis ihm klarmachen wollte, dass man sich zuweilen zu den Brüdern herablassen müsse, sprach er zu ihm: „Lege einen Pfeil auf den Bogen und spanne!“ Er machte es so. Da sagte er zu ihm: "Spanne noch mehr!“, und er spannte. Abermals forderte er ihn auf: „Spanne!“
Da antwortete ihm der Jäger: „Wenn ich über das Maß spanne, dann bricht der Bogen.“ Da belehrte ihn der Greis: „So ist es auch mit dem Werk Gottes. Wenn wir die Brüder übers Maß anstrengen, versagen sie schnell. Man muss also den Brüdern ab und zu entgegenkommen.“
Als der Jäger das hörte, ging er in sich, und mit großem Gewinn schied er von dem Altvater. Die Brüder aber kehrten gefestigt an ihren Ort zurück.

Ein andermal sagte Antonius: „Vom Nächsten her kommen uns Leben und Tod. Gewinnen wir nämlich den Bruder, so gewinnen wir Gott. Geben wir hingegen dem Bruder Ärgernis, so sündigen wir gegen Christus.“
Die Versuchung gehört zum Menschsein dazu. Von Antonius wird überliefert, dass er sagte: „ Keiner kann unversucht ins Himmelreich eingehen. Nimm die Versuchungen weg, und es ist keiner, der Rettung findet.“ Ferner stammen von Antonius kluge Bemerkungen über die Demut: „Ich sah alle Schlingen des Feindes über die Erde ausgebreitet. Da seufzte ich und sprach: Wer kann ihnen denn entgehen?, und ich hörte, wie eine Stimme zu mir sagte: die Demut!“

Aus: Emmeram Kränkel OSB, Worte der Heiligen. Ein Jahreslesebuch aus dem Sankt Ulrich Verlag.