Glaube
Stille Nacht, heilige Nacht - Ein Lied erobert die Welt
Stille Nacht, die Christ-mette ist für viele Menschen der Höhepunkt des Weihnachtsfestes. Die nächtliche Feier, in der das Dunkel durch die Kerzen und den Stern erhellt wird, besitzt eine tiefe Symbolik – ebenso wie die Osternacht: in der Feier von Christmett und Ostermette wachen die Gläubigen, um die Ankunft des Herrn mitzuerleben, so wie im Gleichnis die klugen Jungfrauen warten (Matthäus 25).
Gerade deshalb gehört wohl auch das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ untrennbar zum Heiligen Abend dazu. Es erklang erstmals im Jahr 1818 im Salzburger Land. Am Mittag des 24.Dezember übergab Joseph Mohr, Hilfspriester an St. Nicolai in Oberndorf, seinem Freund Franz Xaver Gruber ein Gedicht und bat ihn, dazu die passende Melodie zu komponieren.
Gruber war Lehrer im benachbarten Arnsdorf und gleichzeitig Organist. Joseph Mohr wünschte sich eine Melodie, die für zwei Solistinnen mit Chor und Gitarrenbegleitung geeignet war - was darauf schließen lässt, dass es mit der Oberndorfer Orgel nicht zum Besten stand.
Das Lied wurde erstmals zur Christnacht in Oberndorf gesungen – und dabei blieb es zunächst. Bis sieben Jahre später Orgelbauer Karl Mauracher aus dem Zillertal die Orgel restaurierte und das Lied von der Heiligen Nacht kennenlernte. Er war so angetan, dass er es ins Zillertal mitbrachte. Die dortige Handschuhmacherfamilie Strasser nahm es dann vermutlich 1831 mit nach Leipzig, wo sie auf dem Weihnachtsmarkt ihre Waren verkaufte.
Von Leipzig aus wurde die „Salzburger Volksweise“ in ganz Deutschland und Europa bekannt. In die USA gelangte sie mit einer anderen musikalischen Zillertaler Familie. Dort aber, wo einst die Oberndorfer Kirche St. Nicolai stand, befindet sich heute eine „Stille Nacht“-Kapelle, zum Andenken an Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber.
Aus: Christiane Schlüter, Im Zeichen des Sterns. Sankt Ulrich Verlag Augsburg


