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2. Februar - Maria Lichtmess – Darstellung des Herrn


Das Fest der Darstellung Jesu  im Tempel, vierzig Tage nach seiner Geburt, stellt uns einen besonderen Augenblick aus dem Leben der Heiligen Familie vor Augen: Wie es dem Gesetz des Mose entspricht, wird der kleine Jesus von Maria und Josef in den Tempel in Jerusalem gebracht, um dem Herrn geweiht zu werden. Von Gott inspiriert, erkennen Simenon und Hanna in jenem Kind den sehnlich erwarteten Messias und machen über in eine Weissagung. Wir wohnen hier einem schlichten und zugleich feierlichen Geheimnis bei, in dem die Heilige Kirche Christus, den Gesalbten des Vaters, den Erstgeborenen der neuen Menschheit, feiert.

Die eindrucksvolle Lichterprozession an diesem Tag  in den Gottesdiensten  hat uns den im Antwortpsalm besungenen majestätischen Einzug desjenigen nacherleben lassen, der „König der Herrlichkeit“ ist, „der Herr, mächtig im Kampf“ (Ps 24,7.8). Aber wer ist der allmächtige Gott, der in den Tempel einzieht? Er ist ein Kind; er ist das Jesuskind in den Armen seiner Mutter, der Jungfrau Maria. Die Heilige Familie erfüllte, was das Gesetz vorschrieb: die Reinigung der Mutter, die Weihe des Erstgeborenen an Gott und seine Auslösung durch ein Opfer. In der Ersten Lesung berichtet die Liturgie von der Weissagung des Propheten Maleachi: „Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr“ (Mal 3,1). Diese Worte vermitteln die ganze Eindringlichkeit der Sehnsucht, die die Erwartung des jüdischen Volkes jahrhundertelang beseelt hatte. Endlich zieht der „Engel des Bundes“ in sein Haus ein und unterwirft sich dem Gesetz: Er kommt nach Jerusalem, um in einer Haltung des Gehorsams in das Haus Gottes einzuziehen.
Eine noch weiter reichende Perspektive erhält die Bedeutung dieser Geste in der Stelle aus dem Hebräerbrief. Hier wird uns Christus, der Mittler, vorgestellt, der Gott und den Menschen vereint, indem er die Entfernungen aufhebt, jede Spaltung beseitigt und jede Trennungsmauer niederreißt. Christus kommt als neuer „barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott, um die Sünden des Volkes zu sühnen“ (Hebr 2,17). Wir stellen also fest, dass sich die Vermittlung mit Gott nicht mehr in der Trennung beruhenden Heiligkeit des alten Priestertums vollzieht, sondern in der befreienden Solidarität mi den Menschen. Noch als Kind schlägt er den Weg des Gehorsams ein, der ihn bis zum Äußersten führen wird. Das erläutert der Hebräerbrief treffend, wo es heißt: „Als er auf Erden lebte, hat er… Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte… obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (vgl. Hebr 5,7-9).
Die erste Person, die sich Christus auf dem Weg des Gehorsams, des bewährten Glaubens und des geteilten Schmerzens anschließt, ist seine Mutter Maria. Der Text des Evangeliums zeit sie uns bei der Darbringung des Sohnes: ein bedingungsloses Opfer, das sie ganz persönlich miteinschließt: Maria ist die Mutter dessen, der „Herrlichkeit für sein Volk Israel“ ist und „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“, aber auch „ein Zeichen, dem widersprochen wird“ (vgl. KL 2,32.34). Und ihr selbst wird das Schwert des Schmerzens durch ihre unbefleckte Seele dringen; so wird sie zeigen, dass sich ihre Rolle in der Heilsgeschichte nicht im Geheimnis der Meschwerdung erschöpft, sondern sich in der liebevollen und schmerzensreichen Teilnahme am Tod und an der Auferstehung ihres Sohnes vollendet. Als die jungfräuliche Mutter den Sohn nach Jerusalem bringt, weiht sie ihn Gott als wahres Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt; sie reicht ihn Simeon und Hanna als Ankündigung der Erlösung; sie zeigt ihn allen als Licht für einen sicheren Gang auf dem Weg der Wahrheit und des Lichts.
Die Worte, die bei dieser Begegnung dem greisen Simeon auf die Lippen kommen –„Meine Augen haben das Heil gesehen“ (LK2,30) -, finden im Herzen der Prophetin Hanna Widerhall. Diese gerechten und frommen Personen können, vom Licht Christi umfangen, im Jesuskind „die Rettung Israels“ (LK2,25) schauen. Ihre Erwartung verwandelt sich so in Licht, das die Geschichte erleuchtet. Simeon ist Träger einer alten Hoffnung, und der Geist des Herrn spricht zu seinem Herzen: Deshalb kann er den schauen, den viele Propheten und Könige zu sehen wünschten, Christus, das Licht, das die Heiden erleuchtet. In jenem Kind erkennt er den Retter, ahnt aber im Geist, dass ich um ihn die Geschicke der Menschheit abspielen werden und dass er durch alle, die ihn ablehnen, viel wird leiden müssen; Simeon verkündet die Identität und die Sendung des Messias mit den Worten, die einen der Hymnen der entstehenden Kirche bilden, der den ganzen gemeinschaftlichen Jubel über die erfüllte Heilserwartung verströmt. Die Begeisterung ist so groß, dass Leben und Sterben ein und dasselbe sind und das „Licht und die Herrlichkeit“ zu einer universalen Offenbarung werden. Hanna ist eine „Prophetin“, eine weise und fromme Frau, die den tiefen Sinn der geschichtlichen Ereignisse und der in ihnen verborgenen Botschaft Gottes deutet. Darum kann sie „Gott preisen“ und „über das Kind zu allen sprechen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“(LK2,38). Die lange Witwenschaft, die sie ganz dem Kult im Tempel gewidmet hatte, das Einhalten des wöchentlichen Fastens, die Teilnahme an der Erwartung aller, die die Erlösung Israels herbeisehnten  - all das endet in der Begegnung mit dem Jesuskind.

Predigt im Petersdom 2.Februar 2006
Papst Benedikt XVI. „Mit den Heiligen durch das Jahr“ Meditationen erschienen im Herder Verlag