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Grußwort zum 40-jährigen Jubiläum
der Immerwährenden Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes in Tirschenreuth
Liebe Schwestern und Brüder in Tirschenreuth, liebe Anbeterinnen und Anbeter des Allerheiligsten Sakramentes!
Aus Regensburg grüße ich euch heute herzlich und in großer Dankbarkeit. Leider kann ich nicht, wie vor 10 Jahren, persönlich bei euch sein, aber mein Grußwort soll als Zeichen meiner geistigen Nähe und meiner tiefen Wertschätzung für das wunderbare, nun seit 40 Jahren andauernde Werk verstanden werden.
40 Jahre Ewige Anbetung – das sind 40 Jahre ununterbrochene Gegenwart des Herrn, 40 Jahre Kniebeuge vor dem lebendigen Christus, 40 Jahre offene Herzen und offene Türen für Ihn, der uns nie die Tür vor der Nase zuschlägt. Das sind über 350.000 Stunden Gebet, getragen von unzähligen treuen Menschen – jung und alt, Familienväter und Mütter, Berufstätige, Nachtschichtler, Rentnerinnen und Studenten. Jede einzelne Stunde war und ist ein Akt der Liebe, ein stilles „Ja“ zu dem, der uns zuerst geliebt hat.
Mein herzlicher Dank gilt allen, die diese Kette des Gebets halten:
- den treuen Anbetern, die kommen, auch wenn es regnet oder schneit, auch um drei Uhr nachts;
- den vielen, die über Jahrzehnte hinweg ihre Stunde treu gehalten haben;
- dem verstorbenen Stadtpfarrer Georg Maria Witt, der 1986 mutig den Anfang wagte;
- Monsignore Georg Flierl, der das Werk als Kaplan unterstützt und dann als Pfarrer übernommen und mit Hingabe weitergeführt hat;
- und allen, die im Hintergrund organisieren, Listen führen, gegebenenfalls Ersatz suchen, motivieren und einander ermutigen.
Ihr seid ein lebendiges Zeichen dafür, dass die Eucharistie nicht nur sonntags gefeiert, sondern täglich gelebt wird. Eure Anbetung ist ein ewiges Licht in eurer Stadt und im ganzen Bistum – ein Licht, das nicht erlischt, weil Christus selbst es nährt.
Gerade heute ist dieses Werk von besonderer Aktualität und Kraft. Ich erinnere mich an die Vigilfeier beim Weltjugendtag 2005 in Köln: Dort hat Papst Benedikt XVI. über eine Million junger Menschen in eine tiefe, stille Begegnung mit dem Allerheiligsten geführt – ein Moment, der viele Herzen berührt und verändert hat. Aus diesem Impuls ist Nightfever entstanden: eine Bewegung, die bis heute in unzähligen Städten junge Menschen auf die Straßen schickt, um Passanten einzuladen – in die Kirche, zur Anbetung, zur Begegnung mit Jesus im Sakrament. Und sie kommen! Viele finden dort genau das, wonach sie suchen: Stille inmitten des Lärms, echte Gegenwart, eine Liebe, die nicht enttäuscht.
Ähnlich ist es bei großen missionarischen Ereignissen wie der MEHR-Konferenz in Augsburg oder dem Adoratio-Kongress in Altötting: Tausende – vor allem junge Erwachsene – versammeln sich zu intensiven Zeiten der eucharistischen Anbetung, oft mit Lobpreis, Gebet und Zeugnis. Dort erleben sie, wie die Anbetung nicht altmodisch ist, sondern lebendig, anziehend und heilsam. Viele junge Menschen, die auf der Suche nach Sinn, nach Gott, nach echter Gemeinschaft sind, finden genau hier eine Heimat – oder sogar neu zum Glauben.
Eure Ewige Anbetung in Tirschenreuth ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten – sie ist hochaktuell! Sie ist ein Ort, an dem genau diese Suchenden ankommen können: die Studierenden, die Azubis, die jungen Familienväter und -mütter, die vielleicht noch zögern, aber spüren, dass ihr Herz mehr braucht als das, was die Welt bietet. Eine Stunde hier kann der Anfang einer lebensverändernden Begegnung sein – für sie und durch sie vielleicht auch für ihre Freunde, ihre Familien, ihre Generation.
Nun möchte ich euch heute besonders ermutigen: Macht weiter! Und vor allem: Tretet neu ein – und ladet junge Menschen ein! Lasst euch in die Liste eintragen – auch wenn ihr denkt: „Ich habe doch gar keine Zeit. Mein Alltag ist voll mit Arbeit, Familie, Terminen. Anderes ist wichtiger.“
Genau hier setzt der Herr an. Er sagt nicht: „Komm, wenn du Zeit hast.“ Er sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch erquicken.“ (Mt 11,28). Und wisst ihr, was das Erstaunliche ist? Je weniger Zeit wir vermeintlich haben, desto mehr brauchen wir diese Stunde.
Warum lohnt es sich, diese eine Stunde pro Woche zu schenken?
- Weil in dieser Stunde alles andere relativ wird. Die Sorgen, die Termine, die Streitigkeiten – sie treten zurück vor Dem, der größer ist als alles.
- Weil ihr nicht Zeit verliert, sondern Zeit gewinnt: Zeit für Klarheit, für Frieden im Herzen, für neue Kraft. Viele von euch können das bezeugen: Nach der Anbetungsstunde geht man leichter, freier, gelassener in den Alltag zurück.
- Weil diese Stunde Früchte trägt, die ihr oft erst später seht: vertiefter Glaube, stärkere Ehen und Familien, mehr Geduld mit den Kindern, Mut in schwierigen Entscheidungen, Trost in Leid.
- Weil ihr Teil werdet an einem großen Strom des Gebets, der seit 40 Jahren fließt und der – wie Papst Benedikt XVI. es so schön sagte – aus Unterwerfung Liebe macht: „Aus Unterwerfung wird Einung, weil der, dem wir uns unterwerfen, die Liebe ist.“ (Predigt Weltjugendtag Köln 2005) Er erklärte in diesem Zusammenhang: „Das lateinische Wort für Anbetung heißt ‚ad-oratio‘ – Berührung von Mund zu Mund. Kuss. Umarmung und so im tiefsten Liebe.“
- Und weil gerade in unserer unruhigen Zeit diese stille, beständige Anbetung ein starkes Zeugnis ist: Hier ist einer, der bleibt. Hier ist einer, der wartet. Hier ist Christus wirklich da – und wir lassen ihn nicht allein. Besonders junge Menschen spüren das: Hier finden sie etwas Echtes, Bleibendes, das sie in der digitalen Flüchtigkeit oft vermissen.
Liebe Schwestern und Brüder, lasst uns heute gemeinsam erneuern: Herr Jesus, bleib bei uns, denn es will Abend werden (vgl. Lk 24,29). Und lasst uns antworten: Herr, wir bleiben bei dir – in der Gnadenkapelle, Stunde um Stunde, Jahr um Jahr – und wir laden andere ein, besonders die Jungen, die suchen.
Von Herzen danke ich euch allen. Gott segne eure treue Anbetung, segne eure Familien und eure ganze Pfarrei. Und er schenke euch die Gnade, dass dieses ewige Licht weiterbrennt – bis Er wiederkommt.
In Christus verbunden grüßt euch herzlich aus Regensburg
Euer
Rudolf Voderholzer
Bischof von Regensburg
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